UEFA – wo bleibt das Financial Fair Play?

Die Armen bleiben immer arm, die Reichen werden immer reicher. Dass die menschliche Gesellschaft so funktioniert, hatte schon Karl Marx erkannt. Dieser Fakt ist heute so aktuell wie eh und je.

Auch im Fussball ist das immer so gewesen, doch in jüngster Vergangenheit wurde dieses immer extremer. Früher mussten Fussballvereine ihr eigenes Geld erwirtschaften und musst damit haushalten. Für die überwiegende Mehrheit ist das auch heute noch so. Doch spätestens seit Roman Abramowitsch den Chelsea F.C. übernommen hat, ist ein neuer Trend losgetreten worden. Grossinvestoren mit einem scheinbar unendlich prall gefüllten Geldbeutel kaufen sich einen Fussballverein und führen den Verein wie in einem Computerspiel. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie den Cheat Code für immer mehr Geld kennen, den andere Wettbewerber nicht haben. Dadurch werden Ablösesummen immer surrealer.

Man möge sich noch an das Jahr 1995 erinnern. Heiko Herrlich wechselte als teuerster Spieler der Bundesliga für sagenumwobene 11 Millionen DM von der einen zur anderen Borussia. Seitdem explodieren die Ablösesummen jährlich weiter. Heute, 22 Jahre später, würde Herrlichs Ablösesumme 5,5 Millionen Euro betragen. Darüber lachen selbst die kleinsten Bundesligavereine. Spitzenvereine würden nicht mal darüber nachdenken einen Spieler mit solch einem Marktwert zu verpflichten.
Wo sollen diese verrückten Ablösesummen noch hinführen?
Wenn Geld nicht mehr aus dem Fussball erwirtschaftet werden muss, sondern über externe Finanzströme dem Verein einfach zufliessen kann, dann entsteht hier eine immer grössere Kluft zwischen Arm und Reich. Abgesehen von der Top 5 des Weltfussballs werden alle anderen Vereine zu deren Ausbildungsvereinen degradiert. Eine fussballerische Nahrungskette wird immer ausgeprägter.

Selbst der deutsche Klassenprimus Bayern München droht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. Alexis Sanchez wurde diesen Sommer als heisser Wechselkandidat gehandelt für die Münchener. Aber bei Gehaltsvorstellungen die ihn doppelt so teuer wie Robert Lewandowski, dem bisherigen Spitzenverdiener, machen würden, müssen auch die Bayern aussteigen. Und da kein Ende dieser Entwicklung in Sicht ist, werden die Münchener früher oder später bei den Weltklasse Spielern den Anschluss verlieren. Spieler vom Format Robben oder Ribéry wird es zukünftig nicht mehr für 25 Millionen Euro geben.

Die Bayern sind hochprofitabel und ein bestens geführter Fussballverein. Aber genau da liegt das Problem. Sie verdienen ihr Geld nur über den Fussball. Innerhalb der Bundesliga gibt es eh keine Konkurrenz mehr. Aber das ist auch nicht die Messlatte für den Bayern Kader. Dort tritt man jedes Jahr an, um die Champions League zu gewinnen. Und dort trifft man auf Vereine die dank ihrer Investoren über ganz andere finanzielle Mittel verfügen und dieses auch ausspielen. Die 1A Spieler der Welt wird man langfristig so nicht an die Isar locken können. Man wird sich wohl mit den 1B Spielern begnügen müssen.

Die Frage liegt also auf der Hand: Was macht dieses UEFA Financial Fair Play eigentlich um für Chancengleichheit zu sorgen? Es gibt keine festen Richtlinien ab wann bestraft wird und mit welchen Mitteln bestraft wird. Alles ist reine Willkür. Und selbst wenn ein Team wie Chelsea gezwungen wird 60 Millionen zu zahlen, dann ist das auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und wenn das Geld dann auch noch auf irgendeinem UEFA Konto verschwindet, dann bringt das auch niemanden weiter. Die einzige Massnahme die Vereine wirklich treffen würde, wäre der Ausschluss von der Champions League. Doch genau das will die UEFA sicherlich nicht. Immerhin will jeder Neymar gegen die Besten der Welt spielen sehen. Das bringt Einschaltquote in einem eh schon an Spannung verlierenden Turnier.

Beispiel NBA

Um genau zu verhindern, dass ein Team die besten Spieler zusammenkauft und dann die Liga nach Bedarf dominiert existiert beispielsweise in der NBA der Salary Cap. Teams dürfen alle nur das gleiche Gehalt für ihr Team ausgeben. Gehen sie darüber hinaus, müssen sie eine Luxussteuer zahlen die progressiv auch noch ansteigt, so dass sie dem Club wirklich weh tut. Dazu kommt auch noch, dass die gezahlte Luxussteuer nicht in einem anonymen Topf verschwindet, sondern direkt unter den anderen Teams aufgeteilt wird. Insofern wird man doppelt bestraft. Teure Strafgebühren und finanzielle Unterstützung für die Konkurrenz.

Nun es ist völlig utopisch davon auszugehen, dass der europäische Fussball sich so ein Korsett überziehen würde. Aber es ist ein Beispiel dafür, wie man in Amerika ein ähnliches Problem angegangen ist.

Am Ende des Tages geht es uns allen um den Fussball den wir lieben. Wir wünschen uns, dass die Spannung erhalten bleibt und das Überraschungen jederzeit möglich sind. Jedes Jahr das gleiche Champions League Finale von Quatar gegen einen russischer Milliardär, das will ja nun wirklich niemand sehen.

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Der erste Arbeitstag – Soll es das gewesen sein?

Ich glaube ich kann behaupten: Ich hatte eine glückliche Kindheit. Eine wirklich schöne Kindheit. Ich konnte mich schon damals eigentlich über nichts beschweren und je mehr ich zurückblicke, fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Ich bin nicht «in da Bronx» aufgewachsen und musste «da shit» durchleben. Wir hatten immer genug zu Essen und ich hatte täglich die Wahl zwischen 50 verschiedenen Spielzeugen. Kurz gesagt: Mein Leben war super. Selbst die Schule, was zwar damals keiner zugegeben hätte, war eigentlich ok. Schliesslich hat sie einen ja für die grosse weite Welt vorbereitet. Das Wissen der Menschheit wurde uns vermittelt, damit wir uns auf dem modernen globalen Arbeitsmarkt gegen die Chinesen und andere böse aufstrebende Nationen behaupten können, die in unsere Komfortzone eindringen wollen. Die auch ein Stück von unserem schönen Kuchen haben wollen.

Und so lernt man Tag ein Tag aus. Die letzten Jahre in der Schule werden immer wichtiger und gefühlt alle zwei Wochen gab es wieder einen Orientierungskurs für alle, damit wir erkennen «was wir mal werden wollen». Im Nachhinein ist die Situation schon etwas grotesk. Da werden 17-jährige dazu gezwungen sich festzulegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen und welchen Beruf sie denn mal einschlagen wollen. Nicht mal heute weiss ich eigentlich was ich wirklich mit diesem Leben anfangen soll. Kein Wunder, dass am Ende doch jeder BWL studiert, weil keiner schlichtweg eine bessere Idee zu dieser Zeit hat und BWL unterm Strich doch ziemlich breite und gut aufgestellte Berufschancen eröffnet.

Super war die Zeit an der Uni. So viel Freizeit. So viel Party hier, rumhängen in irgendeiner coolen Bar oder dem neuen In Café. Mit dem Laptop am Sonntag beim Starbucks abhängen, bisschen Buch lesen und dazu einen Tall Caramel Macchiato. Man lernt so viele verschiedene Sachen, dass man sich im nächsten Semester schon nicht mehr erinnert, was im letzten eigentlich war. Man wird so super auf das Arbeitsleben vorbereitet. Career Opportunities werden ausgelotet, ein Netzwerk aus super wichtigen Leuten wird aufgebaut und am Ende, nachdem man von Geburt weg irgendwie Tag ein und Tag aus darauf vorbereitet wurde, steht man plötzlich mit dem Abschluss da!

Geil!

New York, Hong Kong, London, die Welt steht einem plötzlich offen. Ich habe einen Abschluss von einer halbwegs brauchbaren Uni mit einer mittelmässigen Note, das Leben kann mich nicht mehr aufhalten. Ich habe es geschafft, ich bin oben auf dem Olymp angekommen, alle Türen stehen mir offen, ich habe mich grade noch mal so knapp gegen die Chinesen durchsetzen können. Die Generation nach mir wird es da deutlich schwerer haben…

Danach die obligatorische Weltreise finanziert von Mama und Papa oder vielleicht sogar noch einem freiwilligen sozialen Jahr. Lasst euch diese Bezeichnung bitte mal auf der Zunge zergehen: Freiwilliges Soziales Jahr. Ein Jahr bin ich ganz sozial und helfe den Armen in Afrika dabei eine eigene Molkerei für das Dorf zu bauen. Danach bin ich halt wieder der ganz normale unsoziale G20 Gewinner auf dem Planet Erde, der sich auf Kosten der Armen bereichert und das gleiche afrikanische Dorf mit von der EU subventionierter Milch überflutet, so dass die Molkerei leider wieder schliessen musste. Hat sich halt nicht rentiert. Sorry, aber der Weltmarkt halt.

Aber das ist ja eh egal, ich habe meinen Uni Abschluss und bin Gewinner. Also schreibe ich 50 Bewerbungen und werde zu 2 Gesprächen eingeladen. Die Firma XY will sogar wirklich einstellen. So ein richtiger Büro Job. Ihr wisst schon.

Die Eltern platzen vor Stolz. Vor gut einem viertel Jahrhundert haben sie ein Projekt gestartet und mich seitdem täglich gefördert, gebildet, darauf geachtet, dass ich meine Vitamine esse. Natürlich im Sportverein gewesen und ein Instrument muss man auch lernen. Das regt das Gehirn an. Und nun hat es sich endlich alles ausgezahlt. Ich habe einen Job! Einen guten Job! Einen Büro Job! Keine körperliche Arbeit, keine Fliessbandarbeit, keine Nachtschicht, keinen Kohlestaub oder unzumutbare Arbeitsbedingungen. All die schlimmen Dinge die unsere Grosseltern und Eltern durchleben mussten. Aber nun hat es einer aus der Familie geschafft und hat einen Büro Job. Zwar verstehen die Eltern nicht mal mehr, was man dort eigentlich für einen Job macht. Sowas gab es schliesslich vor 25 Jahren noch gar nicht. Das ist alles ganz modernes Zeug. Neu entstandene Jobs. Selbst die Job Description den Eltern vorzulegen, macht eigentlich keinen Sinn, da sie nur Bahnhof verstehen. Ist eh auf Englisch. Egal, Büro Job, alles richtiggemacht.

Schnell noch ein bisschen einkaufen vorher. Schliesslich muss man ja gut angezogen sein bei so einem Büro Job. Ein paar frische Hemden müssen her. Echt Glück gehabt übrigens, in der Firma trägt keiner Krawatte oder Anzug. Also einfach Hemd und Jeans reicht. Und so spiessig wie im Fernsehen ist es auch nicht. Siezen tut sich keiner. Alle sind per Du. Sogar der Chef. Stell dir vor.

Um 7 klingelt der Wecker. Erster Arbeitstag. Um 8 muss ich im Büro sein. Zu spät kommen ist keine Option. Um 17 Uhr wäre planmässig Schluss. Unglaublich. Nie zuvor in meinem gesamten Leben war ich so lange einen ganzen Tag lang beschäftigt. Noch nie war mein Verhältnis zwischen produktiver Zeit und Freizeit so sehr auf den Kopf gestellt wie jetzt. In der Schul- und Uni Zeit hatte man wirklich einen langen Tag, wenn es bis 15 Uhr ging. Man sind das ätzend lange Tage gewesen. Und jetzt das? 17 Uhr? Offiziell natürlich nur, denn inoffiziell traut sich keiner um Punkt 17 Uhr den Stift fallen zu lassen. Wie sieht denn das vor den Kollegen aus. Hat der nichts zu tun? Dem müssen wir direkt ein paar extra Aufgaben geben. Also wird aus den 17 Uhr meistens eher ein 18 Uhr und wenn es ganz schlecht läuft sogar 19 Uhr. Was ist denn hier los? Wie soll ich bei so wenig Freizeit meinen ganzen Hobbys nachgehen? Eigentlich bin ich im Kopf doch noch ein Kind. Ich habe zwar ein Hemd an und irgendeinen Abschluss der sagt, dass ich irgendwas könnte. Aber machen wir uns mal nichts vor, mein Leben bis zum heutigen Tag bestand daraus bekocht zu werden, mit den Freunden rumhängen, Alkohol zu trinken, Fussball spielen, Playstation zocken und ein bisschen in der Schule/Uni rumzuhängen. Wie soll ich das jetzt alles unter einen Hut bringen? Um 18 Uhr erst aus dem Büro. Um 19 Uhr erst zu hause. Dann steht noch nicht mal Essen auf den Tisch und einkaufen und kochen muss ich auch noch. Meine Freizeit fängt effektiv erst um 20 Uhr an. Und morgen um 7 muss ich ja auch schon wieder aufstehen und was ziemlich mies ist, nicht mal einen Kater darf man dann haben.

Kurz gesagt: Ganz schlecht gelaufen. Und so überkommt mich bereits nach meinem ersten Arbeitstag auf den ich so lange hingestrebt habe die Frage: Soll es das gewesen sein?