Turkmenistan Cloths

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UEFA – wo bleibt das Financial Fair Play?

Die Armen bleiben immer arm, die Reichen werden immer reicher. Dass die menschliche Gesellschaft so funktioniert, hatte schon Karl Marx erkannt. Dieser Fakt ist heute so aktuell wie eh und je.

Auch im Fussball ist das immer so gewesen, doch in jüngster Vergangenheit wurde dieses immer extremer. Früher mussten Fussballvereine ihr eigenes Geld erwirtschaften und musst damit haushalten. Für die überwiegende Mehrheit ist das auch heute noch so. Doch spätestens seit Roman Abramowitsch den Chelsea F.C. übernommen hat, ist ein neuer Trend losgetreten worden. Grossinvestoren mit einem scheinbar unendlich prall gefüllten Geldbeutel kaufen sich einen Fussballverein und führen den Verein wie in einem Computerspiel. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie den Cheat Code für immer mehr Geld kennen, den andere Wettbewerber nicht haben. Dadurch werden Ablösesummen immer surrealer.

Man möge sich noch an das Jahr 1995 erinnern. Heiko Herrlich wechselte als teuerster Spieler der Bundesliga für sagenumwobene 11 Millionen DM von der einen zur anderen Borussia. Seitdem explodieren die Ablösesummen jährlich weiter. Heute, 22 Jahre später, würde Herrlichs Ablösesumme 5,5 Millionen Euro betragen. Darüber lachen selbst die kleinsten Bundesligavereine. Spitzenvereine würden nicht mal darüber nachdenken einen Spieler mit solch einem Marktwert zu verpflichten.
Wo sollen diese verrückten Ablösesummen noch hinführen?
Wenn Geld nicht mehr aus dem Fussball erwirtschaftet werden muss, sondern über externe Finanzströme dem Verein einfach zufliessen kann, dann entsteht hier eine immer grössere Kluft zwischen Arm und Reich. Abgesehen von der Top 5 des Weltfussballs werden alle anderen Vereine zu deren Ausbildungsvereinen degradiert. Eine fussballerische Nahrungskette wird immer ausgeprägter.

Selbst der deutsche Klassenprimus Bayern München droht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. Alexis Sanchez wurde diesen Sommer als heisser Wechselkandidat gehandelt für die Münchener. Aber bei Gehaltsvorstellungen die ihn doppelt so teuer wie Robert Lewandowski, dem bisherigen Spitzenverdiener, machen würden, müssen auch die Bayern aussteigen. Und da kein Ende dieser Entwicklung in Sicht ist, werden die Münchener früher oder später bei den Weltklasse Spielern den Anschluss verlieren. Spieler vom Format Robben oder Ribéry wird es zukünftig nicht mehr für 25 Millionen Euro geben.

Die Bayern sind hochprofitabel und ein bestens geführter Fussballverein. Aber genau da liegt das Problem. Sie verdienen ihr Geld nur über den Fussball. Innerhalb der Bundesliga gibt es eh keine Konkurrenz mehr. Aber das ist auch nicht die Messlatte für den Bayern Kader. Dort tritt man jedes Jahr an, um die Champions League zu gewinnen. Und dort trifft man auf Vereine die dank ihrer Investoren über ganz andere finanzielle Mittel verfügen und dieses auch ausspielen. Die 1A Spieler der Welt wird man langfristig so nicht an die Isar locken können. Man wird sich wohl mit den 1B Spielern begnügen müssen.

Die Frage liegt also auf der Hand: Was macht dieses UEFA Financial Fair Play eigentlich um für Chancengleichheit zu sorgen? Es gibt keine festen Richtlinien ab wann bestraft wird und mit welchen Mitteln bestraft wird. Alles ist reine Willkür. Und selbst wenn ein Team wie Chelsea gezwungen wird 60 Millionen zu zahlen, dann ist das auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und wenn das Geld dann auch noch auf irgendeinem UEFA Konto verschwindet, dann bringt das auch niemanden weiter. Die einzige Massnahme die Vereine wirklich treffen würde, wäre der Ausschluss von der Champions League. Doch genau das will die UEFA sicherlich nicht. Immerhin will jeder Neymar gegen die Besten der Welt spielen sehen. Das bringt Einschaltquote in einem eh schon an Spannung verlierenden Turnier.

Beispiel NBA

Um genau zu verhindern, dass ein Team die besten Spieler zusammenkauft und dann die Liga nach Bedarf dominiert existiert beispielsweise in der NBA der Salary Cap. Teams dürfen alle nur das gleiche Gehalt für ihr Team ausgeben. Gehen sie darüber hinaus, müssen sie eine Luxussteuer zahlen die progressiv auch noch ansteigt, so dass sie dem Club wirklich weh tut. Dazu kommt auch noch, dass die gezahlte Luxussteuer nicht in einem anonymen Topf verschwindet, sondern direkt unter den anderen Teams aufgeteilt wird. Insofern wird man doppelt bestraft. Teure Strafgebühren und finanzielle Unterstützung für die Konkurrenz.

Nun es ist völlig utopisch davon auszugehen, dass der europäische Fussball sich so ein Korsett überziehen würde. Aber es ist ein Beispiel dafür, wie man in Amerika ein ähnliches Problem angegangen ist.

Am Ende des Tages geht es uns allen um den Fussball den wir lieben. Wir wünschen uns, dass die Spannung erhalten bleibt und das Überraschungen jederzeit möglich sind. Jedes Jahr das gleiche Champions League Finale von Quatar gegen einen russischer Milliardär, das will ja nun wirklich niemand sehen.

Der Sturm

Die Verletzung von Davie Selke macht Pal Dardai sicherlich einen Strich durch die Rechnung. Aber er ist nicht aus der Welt. Die Doppelspitze wird leider nicht am ersten Spieltag auf dem Feld stehen, aber sie wird in dieser Saison sicherlich noch zu sehen sein.

Hertha war in den letzten beiden Saisons eines der effizientesten Teams der Bundesliga. Mit einer minimalen Anzahl von Chancen, wurden maximal viele Tore erzielt. Dieses deckt genau die zwei Stärken und Schwächen der ganzen Mannschaft im Offensivspiel auf.

Der Spielaufbau aus dem Mittelfeld ist relativ schwach und ideenlos. Torchancen werden nur wenige kreiert. Aber wenn die Chancen mal da sind, dann ist die Torgefahr sehr hoch. Das liegt an den beiden Altmeistern Vedad Ibisevic und Salomon Kalou. Ich persönlich habe an dem Tag an dem Stuttgart diesen Ibisevic Deal eingegangen ist nur gefeiert. Wieso man im Schwabenland so verzweifelt war, kann ich nicht nachvollziehen. Ja, Ibisevic hat dort nicht mehr wirklich gepasst und sicherlich gab es auch verbrannte Erde, aber für Hertha war er ein absoluter Glücksgriff.

Vedad Ibisevic: Wirklich schnell war Vedad nie in seiner Karriere und leider ist er auch nicht schneller geworden. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass Hertha keine Kontertore schiesst. Der Zielspieler ganz vorne drin kann einfach kein Laufduell mehr gewinnen und entsprechend geschickt werden. Aber dafür gleicht er diese Schwäche mit brutaler Effizienz aus. Wenn die Mannschaft es schafft ihn in Szene zu setzen, dann braucht er nicht viel für den Torerfolg. Immer anspielbar, stark in der Ballbehauptung und als aggressiver Teamleader sehr wertvoll auf dem Platz. Das Ende seiner Karriere rückt zwar näher, aber er gehört immer noch zu den besten Stürmern in der Kategorie «Strafraumstürmer» die derzeit in der Bundesliga spielen.

Davie Selke: Ein weiterer deutscher Nachwuchsspieler in den Hertha Reihen. Das Teamkonzept derzeit weiss zu gefallen. Das war bei Weitem nicht immer so gewesen in Berlin. Der Selke Kauf war zwar nicht preiswert, aber unterm Strich auch kaum ein Risiko. Entweder schlägt er voll ein, liefert seine Tore und wird nach zwei Jahren noch teurer verkauft. Schlägt er nicht ein, sollte zumindest sein Marktwert noch zwei Jahre stabil sein, so dass man im Zweifel das gleiche Geld wieder kassieren kann. Wir hoffen natürlich, dass er einschlägt. Mit Ibisevic könnte er wirklich ein geniales Sturmdou bilden. Zwei grosse Strafraumstürmer.  Ein abgezockter Hund und ein junges Talent, welches noch viel lernen kann. Die Taktik wäre zwar etwas eindimensional und berechenbar, aber mit zwei Stürmern dieser Qualität in der Mitte immer noch schwer zu verteidigen.

Salomon Kalou: Der Co Stürmer, der eigentlich immer aus dem Mittelfeld kommt. Er wird auch dieses Jahr wieder über den linken Flügel nach innen ziehen und dort seine Torgefährlichkeit ausspielen. Ähnlich wie Ibisevic. Nicht wirklich schnell und konterstark, aber dafür abgezockt vor dem Tor. Wird auch dieses Jahr wieder seine Treffer machen.

Julian Schieber: Fing bei Hertha so stark an mit Toren im ersten Spiel und dem Siegtreffer damals gegen den BVB. Leider ist es danach immer ruhiger um ihn geworden. Langwierige Verletzungen haben ihn ansonsten nie in Tritt kommen lassen. Als Joker war er schon in Dortmund nicht stark und auch bei Hertha funktioniert das selten. An Ibisevic kommt er eh nicht vorbei solange dieser da ist und mit Selke wurde das nächste Ausrufezeichen gesetzt. Als Backup Stürmer für diese Saison wird er noch die eine oder andere Minute sehen, aber der Trend geht nach unten. Entweder wird der Vertrag gar nicht mehr verlängert, oder nur zu geringen Konditionen.

Insgesamt ist der Hertha Sturm für ein durchschnittliches Bundesligateam stark aufgestellt. Zwei alternde Hochkaräter die an guten Tagen immer den Unterschied ausmachen können und dazu eine der grössten deutschen Nachwuchshoffnungen. Die Sturmabteilung im Team lässt einige Gegner in der Liga wirklich zittern. Leider war das Spiel immer zu eindimensional und wenn der Gegner es in der Vergangenheit schaffte Ibisevic kalt zu stellen, dann kam aus dem Mittelfeld einfach keine Torgefahr mehr nach. Mit Selke als Doppelspitze würde die Abhängigkeit zumindest etwas verteilt werden und die grosse Hoffnung, dass sich das Mittelfeld dieses Jahr mal steigert, ist ja auch noch am Leben.

Das Mittelfeld

Das Mittelfeld unserer Hertha ist einigen Jahren die Dauerbaustelle. Es agiert in der Defensive relativ solide. In der Offensive verbreitet es aber selten Angst und Schrecken. Valentin Stocker war die letzten beiden Jahre der Mittelfeldspieler mit den meisten geschossenen Toren. Und genau dieser hat im aktuellen Kader fast keine Zukunft mehr.

Die Aussenbahnen sind die Dauerschwachstelle im Hertha Kader. Nicht umsonst werden in jeder Transferperiode wieder neue Kandidaten für die Positionen gekauft und unzählige weitere Gerüchte gestreut.

Einen Spielmacher wie Marcelinho oder Darius Wosz hat es im Blau Weissen Trikot leider schon lange nicht mehr gegeben.

Wenn wir davon ausgehen, dass in der kommenden Saison zugunsten einer Doppelspitze mit Selke ein 4-4-2 gespielt wird, dann gibt es nur noch vier freie Plätze zu vergeben. Bei einem 3-5-2, wobei beiden Aussenverteidiger im Mittelfeld gelistet sind, wären sogar nur drei Plätze verfügbar. Dazu wurde natürlich dieses Jahr wieder ins Mittelfeld investiert und Ondrej Duda geht zwar in seine zweite Saison, erscheint aber trotzdem noch wie ein Neuzugang.

Kurz gesagt: Die Konkurrenz ist enorm. Die Dreifachbelastung wird zwar auch viel Rotation in den Kader bringen, aber eine gewisse Stammformation lässt sich trotzdem erkennen.

Gehen wir die einzelnen Spieler durch.

Vladimir Darida: Über den laufstärksten Spieler der Bundesliga muss man denke ich gar nicht viel sagen. Er ist qualitativ der beste Mittelfeldspieler im Hertha Kader und wird immer einen Platz in der Startelf finden. Auf der 10 wie im letzten Jahr kommt er aber meiner Meinung nach nicht wirklich zur Geltung. Dafür sprechen alleine schon die mickrige Zahl der Torbeteiligungen. Darida hat zwar einen überaus platzierten Schuss, aber Torgefahr strahlt er dafür zu selten aus. Auf der 6er oder 8er Position ist ein einfach besser aufgehoben.

Salomon Kalou: Technisch gesehen, müsste Kalou unter den Stürmern laufen. In der Praxis kam er im letzten Jahr in dem 4-5-1 System aber meistens über Links und ist dann in die Sturmspitze mit aufgerückt. Die Ballbehandlung, die Abgezocktheit und die Routine die er auf den Platz mitbringt, hilft der Mannschaft enorm. In seiner Doppelrolle als Mittelfeld/Stürmer ist er auch der zweittorgefährlichste Spieler im Kader. Einzig sein Alter und die mangelnde Geschwindigkeit sprechen gegen ihn. Sicher ist, dass man mit Kalou auf dem Feld einen ballsicheren Routinier in den eigenen Reihen hat. Genauso sicher ist aber auch, dass die Ausbeute bei Kontertoren genauso schwach bleiben wird wie im letzten Jahr.

Niklas Stark: Auch einer von den gesetzten im Hertha Kader, wenn er denn fit ist. In seinem jungen Alter hat er allerdings auch schon ziemlich viele Spiele verletzungsbedingt verpasst. Entweder wird er sich in der Innenverteidigung wiederfinden und den Platz im Mittelfeld wieder freigeben. Wenn er jedoch wie im letzten Jahr auf der 6 spielen soll, dann ist er dort sicherlich gesetzt.

Per Skjelbred: Kaum einer steht so sehr für das Level des Hertha Mittelfelds wie Per. Defensiv grundsolide. Ein einsatzfreudiger Kämpfer. Aber leider ein Fussballer der am besten ist, wenn er den Ball nicht hat. Pässe spielt er zu 100% nur Sicherheitsquerpässe. Verglichen z.B. mit einem Xabi Alonso, der die gleiche Position spielt, liegen Welten zwischen diesen Fussballern. Spieleröffnung oder Torgefahr sind Fehlanzeige bei ihm. Skelbred wird sich seine Einsatzzeit erarbeiten müssen, aber genau das zeichnet ihn ja auch aus.

Ondrej Duda: Seit einem Jahr bei Hertha und immer noch eine unbekannte Wundertüte. Bleibt er endlich mal fit, dürfte er sicherlich seine Einsatzzeit bekommen. Immerhin wurde viel Geld für ihn bezahlt und grosse Hoffnungen in ihn gesteckt. Für ihn gibt es nur eine mögliche Position. Die 10. Bei ihm werden die ersten gezeigten Leistungen stark über den Rest der Saison entscheiden. Kommt er in Fahrt, könnte er gesetzt sein. Aber schlägt er nicht ein, wird er ganz schnell auf der Bank verschwinden.

Valentin Stocker: Eine Alternative für die 10. Nur Dardai plant nicht mehr mit ihm. In den Vorbereitungsspielen wurde er auf die 6 gestellt und wusste durchaus zu gefallen. Möglich, dass er dort noch mal eine Chance erhält. Auf der 10 dürfte seine Zeit bei Hertha jedoch vorbei sein. Obwohl er der torgefährlichste Mittelfeldspieler der letzten beiden Jahre war, wirkt er einfach zu oft wie nicht bundesligatauglich. Zu langsam, zu zweikampfschwach, zu schlecht im Umschaltspiel. Wenn kein Wunder geschieht und er wieder 10 Tore schiesst, ist er nächstes Jahr weg.

Genki Haraguchi: Wenn Valentin Stocker nicht bundesligatauglich ist, dann ist es einer wie Genki Haraguchi erstrecht nicht. Körperlich viel zu schwach, taktisch mit Mängeln, harmlos vorm Tor und keine Kreativität. Für einen offensiven Spieler ist seine Ausbeute bei Torbeteiligungen katastrophal. Ist deshalb völlig zurecht ein Verkaufskandidat. Wieso Hertha mit ihm überhaupt noch mal verlängern wollte, entzieht sich meinem Verständnis. Wenn er nicht jetzt noch geht, wird ihm eine lange Saison auf der Tribüne bevorstehen.

Alexander Esswein: Esswein ist der Grund für den Tribünenplatz von Haraguchi. Die absolute Torgefahr strahlt leider auch er nicht aus, aber als schneller robuster Konterspieler ist er genau der, den man in der 60. Minute noch mal ins Spiel werfen möchte. Einen Stammplatz wird er nicht haben, aber als Rotations-und Ergänzungsspieler wird er seine Rolle im Kader finden.

Mathew Leckie: Gleiches gilt für Leckie. Die neue grosse Hoffnung auf einen schnellen, gefährlichen Flügelspieler. Man darf gespannt sein, ob er nun die Lösung für diese Dauerbaustelle sein wird. Könnte im Planspiel von Dardai allerdings auch rechter Verteidiger spielen.

Sinan Kurt: Ein Name, bei dem das Verhältnis von Bundesligaminuten zu Berichten über ihn im krassen Gegensatz steht. Scheinbar ein grosses Talent. Scheinbar aber auch ein disziplinloser Charakter. Er kommt einfach nicht in Fahrt bei Hertha, so dass er inzwischen sogar wieder als Verkaufskandidat gehandelt wird. Könnte aber auch auf dem linken Flügel ein Backup für Salomon Kalou sein, der sicherlich keine 34 Bundesligaspiele, plus Pokal, plus Europaleague spielen wird. Er wird seine Chance bekommen und muss sie dann aber auch nutzen.

Fabian Lustenberger: Wurde von mir schon im Abwehr Blog thematisiert. Zwischen Innenverteidiger und 6er wird er sich ein bisschen Einsatzzeit durch Rotation erarbeiten, aber er ist sicherlich kein Stammspieler mehr und dürfte als Auslaufmodell in diese Saison gehen.

Mitchel Weiser: Wurde ebenfalls im Abwehr Blog beschrieben. Zwischen rechter Aussenverteidiger und rechter Mittelfeldspieler wird er, wenn fit, seine Position sicher haben. Die Frage ist wo Dardai ihn stärker sieht.

Der Nachwuchs: Hier fasse ich mal die folgenden Spieler grosszügig zusammen. Arne Maier, Julius Kade, Palko Dardai, Maurice Covic. Super, dass Hertha so stark auf den Nachwuchs setzt. Meiner Meinung nach die beste Lösung für finanzschwache Teams heutzutage in diesem Geschäft noch mitzuhalten. Die genannten Spieler werden sicherlich keine tragenden Rollen in dieser Saison spielen, aber sie werden langsam ans Team herangeführt und bei entsprechenden Ausfällen auch die eine oder andere Minute auf dem Rasen stehen.

Valentino Lazaro: Sollte er wirklich noch kommen, würde er die Karten sicherlich noch mal ganz neu mischen. Rechter Verteidiger oder rechter Mittelfeldspieler, beides ist denkbar und sicherlich wird ein Mann wie er nicht für die Bank geholt. Allerdings ist auch er mit seinen jungen Jahren schon häufig verletzt gewesen, so dass man auch anzweifeln darf, dass man hier einen Stammspieler für 34 Spielen kaufen wird.

 

Meiner Meinung nach wird die Stammformation in einem 4-4-2 irgendwie in diese grobe Richtung aussehen.

Weiser/Leckie—-Duda/Darida—–Sjkelle/Stark—–Kalou

Alternativ wäre auch die 3-5-2 Formation mit den flexiblen Aussenverteidigern so möglich

Weiser – Stark —- Langk —Rekik —- Plattenhardt

—-Leckie———-Duda/Darida——–Kalou——

 

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was sich Pal hier ausdenken wird. Das Mittelfeld ist sicherlich die umfangreichste und spannendste Baustelle im Hertha Kader. Hoffentlich gelingt es in diesem Jahr etwas mehr Torgefahr zu kreieren und die Last von den Schultern der Stürmer etwas zu verteilen. Was sind eure Meinungen zum Mittelfeld?

Der erste Arbeitstag – Soll es das gewesen sein?

Ich glaube ich kann behaupten: Ich hatte eine glückliche Kindheit. Eine wirklich schöne Kindheit. Ich konnte mich schon damals eigentlich über nichts beschweren und je mehr ich zurückblicke, fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Ich bin nicht «in da Bronx» aufgewachsen und musste «da shit» durchleben. Wir hatten immer genug zu Essen und ich hatte täglich die Wahl zwischen 50 verschiedenen Spielzeugen. Kurz gesagt: Mein Leben war super. Selbst die Schule, was zwar damals keiner zugegeben hätte, war eigentlich ok. Schliesslich hat sie einen ja für die grosse weite Welt vorbereitet. Das Wissen der Menschheit wurde uns vermittelt, damit wir uns auf dem modernen globalen Arbeitsmarkt gegen die Chinesen und andere böse aufstrebende Nationen behaupten können, die in unsere Komfortzone eindringen wollen. Die auch ein Stück von unserem schönen Kuchen haben wollen.

Und so lernt man Tag ein Tag aus. Die letzten Jahre in der Schule werden immer wichtiger und gefühlt alle zwei Wochen gab es wieder einen Orientierungskurs für alle, damit wir erkennen «was wir mal werden wollen». Im Nachhinein ist die Situation schon etwas grotesk. Da werden 17-jährige dazu gezwungen sich festzulegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen und welchen Beruf sie denn mal einschlagen wollen. Nicht mal heute weiss ich eigentlich was ich wirklich mit diesem Leben anfangen soll. Kein Wunder, dass am Ende doch jeder BWL studiert, weil keiner schlichtweg eine bessere Idee zu dieser Zeit hat und BWL unterm Strich doch ziemlich breite und gut aufgestellte Berufschancen eröffnet.

Super war die Zeit an der Uni. So viel Freizeit. So viel Party hier, rumhängen in irgendeiner coolen Bar oder dem neuen In Café. Mit dem Laptop am Sonntag beim Starbucks abhängen, bisschen Buch lesen und dazu einen Tall Caramel Macchiato. Man lernt so viele verschiedene Sachen, dass man sich im nächsten Semester schon nicht mehr erinnert, was im letzten eigentlich war. Man wird so super auf das Arbeitsleben vorbereitet. Career Opportunities werden ausgelotet, ein Netzwerk aus super wichtigen Leuten wird aufgebaut und am Ende, nachdem man von Geburt weg irgendwie Tag ein und Tag aus darauf vorbereitet wurde, steht man plötzlich mit dem Abschluss da!

Geil!

New York, Hong Kong, London, die Welt steht einem plötzlich offen. Ich habe einen Abschluss von einer halbwegs brauchbaren Uni mit einer mittelmässigen Note, das Leben kann mich nicht mehr aufhalten. Ich habe es geschafft, ich bin oben auf dem Olymp angekommen, alle Türen stehen mir offen, ich habe mich grade noch mal so knapp gegen die Chinesen durchsetzen können. Die Generation nach mir wird es da deutlich schwerer haben…

Danach die obligatorische Weltreise finanziert von Mama und Papa oder vielleicht sogar noch einem freiwilligen sozialen Jahr. Lasst euch diese Bezeichnung bitte mal auf der Zunge zergehen: Freiwilliges Soziales Jahr. Ein Jahr bin ich ganz sozial und helfe den Armen in Afrika dabei eine eigene Molkerei für das Dorf zu bauen. Danach bin ich halt wieder der ganz normale unsoziale G20 Gewinner auf dem Planet Erde, der sich auf Kosten der Armen bereichert und das gleiche afrikanische Dorf mit von der EU subventionierter Milch überflutet, so dass die Molkerei leider wieder schliessen musste. Hat sich halt nicht rentiert. Sorry, aber der Weltmarkt halt.

Aber das ist ja eh egal, ich habe meinen Uni Abschluss und bin Gewinner. Also schreibe ich 50 Bewerbungen und werde zu 2 Gesprächen eingeladen. Die Firma XY will sogar wirklich einstellen. So ein richtiger Büro Job. Ihr wisst schon.

Die Eltern platzen vor Stolz. Vor gut einem viertel Jahrhundert haben sie ein Projekt gestartet und mich seitdem täglich gefördert, gebildet, darauf geachtet, dass ich meine Vitamine esse. Natürlich im Sportverein gewesen und ein Instrument muss man auch lernen. Das regt das Gehirn an. Und nun hat es sich endlich alles ausgezahlt. Ich habe einen Job! Einen guten Job! Einen Büro Job! Keine körperliche Arbeit, keine Fliessbandarbeit, keine Nachtschicht, keinen Kohlestaub oder unzumutbare Arbeitsbedingungen. All die schlimmen Dinge die unsere Grosseltern und Eltern durchleben mussten. Aber nun hat es einer aus der Familie geschafft und hat einen Büro Job. Zwar verstehen die Eltern nicht mal mehr, was man dort eigentlich für einen Job macht. Sowas gab es schliesslich vor 25 Jahren noch gar nicht. Das ist alles ganz modernes Zeug. Neu entstandene Jobs. Selbst die Job Description den Eltern vorzulegen, macht eigentlich keinen Sinn, da sie nur Bahnhof verstehen. Ist eh auf Englisch. Egal, Büro Job, alles richtiggemacht.

Schnell noch ein bisschen einkaufen vorher. Schliesslich muss man ja gut angezogen sein bei so einem Büro Job. Ein paar frische Hemden müssen her. Echt Glück gehabt übrigens, in der Firma trägt keiner Krawatte oder Anzug. Also einfach Hemd und Jeans reicht. Und so spiessig wie im Fernsehen ist es auch nicht. Siezen tut sich keiner. Alle sind per Du. Sogar der Chef. Stell dir vor.

Um 7 klingelt der Wecker. Erster Arbeitstag. Um 8 muss ich im Büro sein. Zu spät kommen ist keine Option. Um 17 Uhr wäre planmässig Schluss. Unglaublich. Nie zuvor in meinem gesamten Leben war ich so lange einen ganzen Tag lang beschäftigt. Noch nie war mein Verhältnis zwischen produktiver Zeit und Freizeit so sehr auf den Kopf gestellt wie jetzt. In der Schul- und Uni Zeit hatte man wirklich einen langen Tag, wenn es bis 15 Uhr ging. Man sind das ätzend lange Tage gewesen. Und jetzt das? 17 Uhr? Offiziell natürlich nur, denn inoffiziell traut sich keiner um Punkt 17 Uhr den Stift fallen zu lassen. Wie sieht denn das vor den Kollegen aus. Hat der nichts zu tun? Dem müssen wir direkt ein paar extra Aufgaben geben. Also wird aus den 17 Uhr meistens eher ein 18 Uhr und wenn es ganz schlecht läuft sogar 19 Uhr. Was ist denn hier los? Wie soll ich bei so wenig Freizeit meinen ganzen Hobbys nachgehen? Eigentlich bin ich im Kopf doch noch ein Kind. Ich habe zwar ein Hemd an und irgendeinen Abschluss der sagt, dass ich irgendwas könnte. Aber machen wir uns mal nichts vor, mein Leben bis zum heutigen Tag bestand daraus bekocht zu werden, mit den Freunden rumhängen, Alkohol zu trinken, Fussball spielen, Playstation zocken und ein bisschen in der Schule/Uni rumzuhängen. Wie soll ich das jetzt alles unter einen Hut bringen? Um 18 Uhr erst aus dem Büro. Um 19 Uhr erst zu hause. Dann steht noch nicht mal Essen auf den Tisch und einkaufen und kochen muss ich auch noch. Meine Freizeit fängt effektiv erst um 20 Uhr an. Und morgen um 7 muss ich ja auch schon wieder aufstehen und was ziemlich mies ist, nicht mal einen Kater darf man dann haben.

Kurz gesagt: Ganz schlecht gelaufen. Und so überkommt mich bereits nach meinem ersten Arbeitstag auf den ich so lange hingestrebt habe die Frage: Soll es das gewesen sein?